Eine fortlaufende Psychotherapie, die in Form von (1 oder mehr pro Woche) 50minütigen Sitzungen abgehalten wird, ist genehmigungspflichtig, d. h., daß der Patient beim Therapeuten ein Antragsformular unterschreiben muß, mit dem er die Übernahme der Behandlung bei seiner Kasse beantragt. Der Therapeut leitet diesen Antrag zusammen mit weiteren eigenen Angaben an die Krankenkasse weiter.

Soweit zunächst nicht mehr als 25 Sitzungen, d. h. eine Kurzzeittherapie, beantragt wird, teilt der Therapeut der Kasse die Diagnose des Patienten und eine allgemein gehaltene Begründung für die Wahl der Therapiemethode. Soweit er nicht auf Grund besonderer Voraussetzungen davon befreit wurde, muss er auch einen Bericht schreiben, in dem er die Beschwerden und das psychische Zustandsbild des Patienten in Zusammenhang mit seiner Entwicklungsgeschichte darstellt und nachvollziehbar werden und er das gemeinsame Behandlungsziel sein therapeutisches Konzept erklärt.

Dieser Bericht wird in einem Umschlag ungeöffnet von der Krankenkasse an einen Gutachter (ebenfalls ein Psychotherapeut mit besonderen Qualifikationen) weitergeleitet, der (jedenfalls ist dies bei den gesetzlich Krankenversicherten so üblich) nur eine Chiffre, nicht den Namen des Patienten erfährt. Der Gutachter soll dann zur Frage stellungnehmen, ob die Behandlung des Patienten in der dargestellten Weise sinnvoll und erfolgversprechend, letztlich also auch wirtschaftlich vertretbar ist.

Eine Kurzzeittherapie kann nur beantragt werden, wenn der Patient in den zurückliegenden zwei Jahren vor dem jetzigen Antrag keine Psychotherapie in Anspruch genommen hat. Das Ende einer früheren Behandlung müßte dann also mehr als zwei Jahre zurücklegen. Ansonsten muß von Anfang an eine Langzeittherapie beantragt werden.

Soweit von vorneherein eine Langzeittherapie (Z.B. 50 Sitzungen bei tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie und 160 Sitzungen bei analytischer Therapie) beantragt werden soll oder kurz vor Ablauf einer Kurzzeittherapie deutlich wird, daß die Behandlung verlängert - d. h. in eine Langzeittherapie umgewandelt - werden muss, hat der Therapeut auf jeden Fall einen ausführlichen und zeitlich aufwendigen Berichte zu schreiben und mit dem Antrag des Patienten (natürlich ebenfalls für den Gutachter anonymisiert) an die Krankenkasse/Versicherung oder zuständige Beihilfestelle zu senden.

Auch die Langzeittherapie kann später mit Erstellung eines weiteren Berichtes über den bisherigen Verlauf der Therapie noch einmal verlängert werden, im Fall der Tiefenpsychologisch Fundierten Therapie um 30 auf dann insgesamt 80 Sitzungen, in der analytischen Therapie auf 240 Sitzungen. Eine darüber noch einmal hinausgehende und letzte Verlängerung ist bei allen Therapieformen nur in Ausnahmefällen um eine bestimmte Anzahl von Sitzungen möglich.

Ob die Behandlung genehmigt wird, hängt von der Indikation bzw. vom Beschwerdebild des Patienten ab, von der durch die KV überprüften Qualifikation des Behandlers und von der Zulassung des vorgesehenen Verfahrens in den Psychotherapie-Richtlinien.

Die Genehmigung hängt letztlich insbesondere von der Formulierung des häufig sehr zeitaufwendigen Berichtes durch den Therapeuten ab sowie von dem Eindruck des von der Krankenkasse eingeschalteten Gutachters. Dieser prüft auch, ob die beantragte Therapie erfolgversprechend ist. Also muß der Therapeut in seinem Bericht das Behandlungsziel letztlich auch so klar definieren und begrenzen (z. B. auf die Beseitigung bestimmter Symptome oder Stärkung von  Ressourcen, Selbstwertgefühl, Integration traumatischer Erfahrungen oder Kontrolle emotionaler Abläufe usw.).

Damit die Behandlung eines seelisch leidenden Menschen nicht ausschließlich von dem letztlich auch subjektiven Ergebnis des einen Gutachters abhängt, kann der Patient im Falle einer Ablehnung seines Antrages Widerspruch bei seiner Krankenkasse einlegen. Der Therapeut muß dann noch einmal die Einwände des ersten Gutachters widerlegen - oder, wenn die Kritikpunkte des Gutachters ihn überzeugen, sein Konzept umformulieren, soweit er weiterhin überzeugt ist, daß er dem Patienten helfen kann. Die Unterlagen werden dann von der Kasse zu einem Obergutachter zur erneuten Beurteilung geschickt.